Itzehoer Wasser-Wanderer
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Íko-Audit light


Öko-Audit light - die Kurzvariante des Audits
Öko-Audit light in Sportvereinen - Umweltschutz zum Nachmachen
von Dr. Christiane Salzbrenner-Hummert
Selbstständige Unternehmensberaterin Beratungsgesellschaft "Ökument"



Vor dem Hintergrund finanzieller Notwendigkeiten im Vereinssport ist das Öko-Audit light eine praxisgerechte Kurzvariante des EG-Öko-Audits, die auf alles verzichtet, was hohe Kosten verursacht, ohne jedoch wesentliche qualitative Abstriche beim Nutzen des Öko-Audits zu machen. Das Öko-Audit light verzichtet auf die zeitintensive Umwelterklärung, hohe Beratungs- bzw. umfangreiche Begutachtungskosten sowie auf eine umfangreiche Dokumentation. Mit der einfachen Gleichung "Verbesserungen gezielt erkennen, planen, umsetzen und den Erfolg prüfen = kontinuierliche Verbesserung im Umweltschutz" ermöglicht das Öko-Audit light Sportvereinen, Hallenbesitzern oder Bootsvermietern, anhand von leicht und schnell zugänglichen Daten (Rechnungen, Vereinszeitschriften, Rundgang etc.) individuelle Handlungsschwerpunkte zu ermitteln und zu bearbeiten. Dabei setzt das Öko-Audit light insbesondere auf verhaltensbedingte Verbesserungen, Bewusstseinsförderung und Eigenverantwortung im Umweltschutz.

Frau Dr. Salzbrenner-Hummert, Herr Schippmann und Martin Ölscher (von links) bei der abschließenden Begutachtung am 20. August 2003
Warum Öko-Audit?

Audit kommt vom lateinischen "Audire" und bedeutet soviel wie (hin)hören: Hören, was Daten über den Stand des Umweltschutzes aussagen und hinhören, ob sich Kolleginnen und Kollegen umweltbewusst verhalten - und anschließend auf das Gehörte zu reagieren.
Basis des Öko-Audits ist ein Auditkreislauf, der durch die ständige Abfolge von Informations- und Datenerfassung, Bewertung, Zielsetzung und Zielkontrolle den Umweltschutz systematisch voranbringt. Damit der Kreislauf funktioniert, müssen verbindliche Eckpunkte festgelegt werden: Wer kümmert sich um was? Bis wann müssen Aufgaben umgesetzt sein? Anhand welcher Angaben soll der Erfolg geprüft werden? Abläufe und Schnittstellen werden durch das Öko-Audit organisiert und transparent.
Arbeitet das Umweltmanagement erfolgreich, dient dies dem Umweltschutz und meist freut sich auch der Geldbeutel.

Arbeitet das Umweltmanagement nicht erfolgreich, fällt dies spätestens bei den internen Erfolgskontrollen (internen Audits) auf. Früh genug, um Korrekturmaßnahmen einzuleiten und das Ziel doch noch zu erreichen.

Um die Einhaltung von Mindestanforderungen aus der EG-Öko-Auditverordnung sowie die Seriosität des Öko-Audits sicher zu stellen, werden der Auditprozess und die Richtigkeit der Daten(erfassung) durch einen unabhängigen, zugelassenen Umweltgutachter geprüft und eine Umwelterklärung zur Information interessierter Kreise verfasst.


Die Vorteile des Öko-Audits liegen auf der Hand
  • Verbesserungspotenziale werden nicht dem Zufall überlassen, sondern systematisch ermittelt.
  • Nachvollziehbare Bewertungskriterien ermöglichen eine gezielte Prioritätensetzung und damit einen möglichst "gewinnbringenden" Umweltschutz.
  • Anstrengungen im Umweltschutz werden gebündelt und verbessern den Nutzen.
  • Kontrollmechanismen sorgen dafür, dass sich der Erfolg auch tatsächlich einstellt.
  • Organisatorische Verbesserungen vermindern Reibungsverluste und Doppelarbeit.
  • "Fehler" werden dokumentiert, ihre Wiederholung wird so verhindert.

Warum Öko-Audit light?

Wer Erfolge wünscht, muss meist vorher investieren: in Arbeitszeit, in Beratung oder in technische Veränderungen. Diese Aussage gilt auch für das Öko-Audit. Sportvereine, kleine Bootsvermieter oder auch kommunale Hallenbetreiber können diese Investitionen aber nicht ohne weiteres leisten und entscheiden sich trotz offensichtlicher Vorteile zunächst gegen die Teilnahme am Öko-Audit.
Die personelle Decke ist dünn, in Vereinen werden zahlreiche Arbeiten ehrenamtlich geleistet. Zeit und personelle Ressourcen für die Erstellung schriftlicher Unterlagen und einer Umwelterklärung fehlen.
Neben Kosten für die Beratung belasten die Kosten für die Prüfung durch einen unabhängigen Umweltgutachter.
Die mit der Teilnahme am Öko-Audit verbundene Verpflichtung, die Begutachtung jährlich, mindestens aber alle drei Jahre zu wiederholen, erschwert ebenfalls die Entscheidung für das Öko-Audit.

Die Vorteile ausschöpfen, die Nachteile weglassen

Das ist das Ziel des Öko-Audit light. Vorreiter beim Öko-Audit light ist Schleswig-Holstein, dass nach der erfolgreichen Durchführung des Öko-Audit light in Sportvereinen und -institutionen bereits das zweite Modellprojekt durchführt. Aufbauend auf den Erkenntnissen der Projekte wird ein Leitfaden entwickelt und veröffentlicht, der es Vereinen, kommunalen Trägern, Bootsvermietern und anderen "Sportverbundenen" ermöglich soll, ohne fremde Hilfe ein erfolgreiches Öko-Audit light aufzubauen. Die Veröffentlichung wird voraussichtlich in der zweiten Jahreshälfte 2003 zur Verfügung stehen und in Zusammenarbeit mit dem Umweltministerium Schleswig-Holstein, dem Landessportverband mit Förderung der Investitionsbank erstellt.


Über gezielte Fragen zu den richtigen Handlungsfeldern

Kanuwanderer, Segler, Ruderer, Motorbootfahrer, Segelsport, Breitensport, Bootsverleiher - die Vereine und Institutionen sind so verschieden wie die Sportarten, die sie anbieten. Welche Aspekte für das Öko-Audit light von Bedeutung sind, entscheiden einige wenige zentrale Fragen:

[1] Verfügt der Verein, der Bootsverleih o.ä. über eigene Räumlichkeiten? Gibt es einen eigenen Zähler bzw. eine Rechnung über Strom, Wasserverbrauch, Abfall oder Heizung?
Wenn ja, lohnt es sich, die Umweltauswirkungen durch den Vereinsbetrieb/Bootsverleih o.ä. näher zu betrachten. Wenn nein, wird die Bewertung schwierig und das Ablesen von Verbesserungen noch schwieriger, da sinkende Verbräuche nur geschätzt oder nur über Umwege (z.B. Anteil der Energiesparlampen an den Beleuchtungskörpern) ermittelt werden können.
Bei der Bewertung der Umweltauswirkungen durch den Vereinsbetrieb nicht nur die Absolutverbräuche und -kosten betrachten, sondern mit aussagefähigen Kenngrößen arbeiten, wie beispielsweise Wasserverbrauch pro Mitglied, Heizenergieverbrauch pro Fläche und Heizenergieverbrauch pro Nutzungsmonate! Im Idealfall stehen Kennzahlen für die letzten drei Jahre zur Verfügung, so dass eine Aussage über die Verbrauchsentwicklung möglich wird.
Nicht nur die Entwicklung im eigenen Verein/Bootsverleih o.ä. betrachten, sondern sich auch mit Anderen vergleichen und ggf. von denen lernen!
Mit möglichst einfach zugänglichen Daten und Informationen arbeiten! Genauer kann man immer noch hinsehen, wenn sich ein Handlungsbedarf andeutet und Maßnahmen angedacht werden sollen.

Indikatoren für mögliche Handlungspotenziale:

Verbrauchs- oder/und Kostensteigerung, fehlende Technik (z.B. Thermostate, Zeitschaltuhren, Bewegungsmelder, Wasserspararmaturen, Trennsysteme), fehlende Standards (z.B. Dämmung, lange Rohrleitungen), keine nutzungsabhängige Steuerung, Dauerverbraucher (z.B. Telefonanlage) falsches Mitgliederverhalten, unklare Regelungen (z.B. fehlende Beschriftung auf Schaltern oder Abfallbehältnissen), besonders nutzungsintensive Tätigkeiten (z.B. Flutlicht, Grünflächenbewässerung), fehlende Rückmeldung über Umweltverbräuche zur Mitgliedersensibilisierung.


[2] Gibt es regelmäßig/häufiger Gäste, die z.B. durch Schulsport, Turniere oder Tagesbesuche zu den Umweltauswirkungen am Standort beitragen?

Wenn ja, ist es wichtig, den Anteil der Gäste an den Umweltauswirkungen zu erfassen oder zumindest zu schätzen. Ist der Anteil der Gäste an den Umweltauswirkungen vergleichsweise hoch, ist das Gästeverhalten ein wichtiges Handlungsfeld zur Beeinflussung und Verringerung der Umweltauswirkungen.

Indikatoren für mögliche Handlungspotenziale:

keine Kenntnisse, fehlende Zwischenzähler (z.B. Stromverbrauch), keine Kostenbeteiligung (z.B. Münzautomaten), keine Gästeinformationen, freie Zugänglichkeit der Räumlichkeiten, keine Anwesenheit oder Aufsicht von Vereinsmitgliedern oder Mitarbeitern (Hafenmeister).


[3] Verursacht der Sport am Standort Lärm, der andere stören könnte?
Wenn ja, können Sie den Lärm beeinflussen, führt der Lärm zu Beschwerden oder zur möglichen Überschreitung von rechtlich verbindlichen Grenzwerten? Bei mindestens zwei positiven Antworten, gehört der Lärm zu den wichtigen Handlungsfeldern, die auf Maßnahmen zu prüfen sind.

Indikatoren für mögliche Handlungspotenziale:

Beschwerden aus der Nachbarschaft, direkt angrenzende Wohnbebauung, An- und Abfahrten ohne ÖPNV oder Fahrrad bzw. Anreisen zu Fuss, Turnieren, Abendveranstaltungen, Schulsport, Lärmschutzvorgaben (z.B. Begrünung).


[4] Nutzt der Sport besondere Flächen?

Wenn ja, lässt sich die Art der Flächennutzung beeinflussen, gehen von der Flächennutzung erhöhte Umweltauswirkungen aus (z.B. Flächenversiegelung durch Asphalt, Rasendüngung, Parkraum, Trampelpfade) oder sind Veränderungen geplant? Bei mindestens zwei "Ja" gehört die Flächennutung ebenfalls zu den Themen, die im Öko-Audit auf Verbesserungsmöglichkeiten geprüft werden sollten.

Indikatoren für mögliche Handlungspotenziale: Flächenversiegelung durch Asphalt, Rasendüngung, Parkraum, Trampelpfade, Uferbefestigung.


[5] Führt das Sportangebot regelmäßig zu Umweltauswirkungen außerhalb des Vereinsheims/ Hafens/ Büros o.ä.?
Besteht ein erhöhtes Risiko, dass Fehlverhalten der Sportler zu Umweltauswirkungen außerhalb des Standortes führt?


Wenn eine Frage mit "ja" beantwortet werden kann, gehört die Umweltauswirkungen durch das Sportangebot zu den zentralen Handlungsfeldern, welches sich besonders dadurch schwierig gestaltet, da es nur indirekt beeinflusst werden kann.

Indikatoren für mögliche Handlungspotenziale:

Mangelnde Rechtskenntnisse (z.B. Abfallentsorgung, Betretungsverbote, Abwasserentsorgung), fehlende Informationen (z.B. Reisebroschüren, Verträge, Haftungs- und Verhaltensregelungen), Fehlverhalten (z.B. Zurückbleiben von Abfall, wildes Camping), Einleiten von Reinigungs- und Abwasser, Beschwerden, ökologisch bedeutsame Gebiete (z.B. Betretungsverbote für geschützte Gebiete, Schutzzeiten für Brutvögel, schwankender Wasserstand und mögliche Grundberührung).


[6] Werden Farben, Lacke, Verdünner oder andere Gefahrstoffe (wassergefährdend, brennbar, gesundheitsschädlich etc.) eingesetzt?

Wenn ja (das erkennen Sie an den meist schwarz-orangen Gefahrensymbolen auf den Flaschen, Spraydosen etc.), müssen unabhängig vom Öko-Audit light rechtliche Anforderungen an den Umgang und an die Lagerung eingehalten werden. Mindestanforderungen sind eine Betriebsanweisung, die Unterweisung der Personen, die mit den Gefahrstoffen umgehen, Schutzmaßnahmen gegen das Eindringen in Boden und Wasser sowie Zutrittsbeschränkungen für Unbefugte. Ziehen Sie ggf. Fachleute für den richtigen Umgang mit Gefahrstoffen zu Rate.

Indikatoren für mögliche Handlungspotenziale:

Fehlende Kenntnisse über rechtliche Anforderungen (z.B. keine Schulungen, fehl. Informationszugang), Reparaturarbeiten, Gebrauch von Diesel oder Benzin (z.B. Rasenmäher) offener Zugang, fehlende Schutzvorkehrungen (z.B. fehlende Auffangwannen, fehl. Bodenversiegelung, abgelegener Bereich).


[7] Werden die Sportler in den Umweltschutz aktiv eingebunden?

Wenn ja, gilt es den Informationsstand dauerhaft aufrecht erhalten. Wenn nein, müssen Informations- und Beteiligungsstrukturen geschaffen werden.

Indikatoren für mögliche Handlungspotenziale:
Fehlende Informationsmöglichkeiten (z.B. Aushänge, Pinwände, Vereinsmitteilungen), kein Interesse, Boykott, Konzentration von Aufgaben auf wenige Personen.


Vom Wissen zum Handeln

Sind die relevanten Umweltthemen identifiziert, stellt sich die wichtige Frage: Womit zuerst beginnen?
  • Rechtlich geforderte Maßnahmen müssen immer umgesetzt werden.
  • In den Umweltschutz müssen möglichst viele Personen eingebunden werden (Wer macht was bis wann? Wer ist für welche Aufgaben dauerhaft verantwortlich?)
  • Priorität haben die Umweltaspekte, wo möglichst viel für die Umwelt erreicht wird. Hierzu ein Beispiel: Werden von einem Bootsverleih Boote vermietet, sind die Umweltauswirkungen durch Gäste außerhalb des Standortes von größerer Bedeutung als die Auswirkungen am Standort selbst.
  • Je besser das Aufwand-Nutzen-Verhältnis, desto höher die Priorität.
Ob Maßnahmen langfristig oder kurzfristig umgesetzt werden können, spielt für die Prioritätenfindung eine untergeordnete Rolle. Wichtiger ist der Erfolg. Damit dieser auch eintritt, heißt es insbesondere bei langfristigen Zielen: Kurzfristigere Zwischenziele formulieren und Zwischenkontrollen über Umsetzung und Erfolg durchführen. Dann wird das Öko-Audit light eine "runde Sache".



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