Ehrenamt

und unsere Vereinskultur
von Martin Ölscher

Vor einiger Zeit sagte man mir:

"Schade, dass der Verein ehrenamtliches Engagement
nicht durch ein Entgelt ausdrückt."

Ehrenamt bedeutete ursprünglich ein Engagement in einer durch eine Wahl legitimierten Funktion zum Beispiel als Mitglied eines Vereinsvorstands. Heute wird dieser Begriff um­gangs­sprach­lich auch für jede Freiwilligentätigkeit verwendet. Durch unentgeltliche Arbeit wird im Interesse des Gemeinwohls gehandelt.

In unserem Verein lassen sich Mitglieder in den Vorstand wählen oder über­neh­men ohne Vor­stands­amt andere größere und kleinere Aufgaben: Trainer/innen, Trai­nings­hel­fer/in­nen, Kinder- und Ju­gend­be­treu­er/in­nen. Vereinsmitglieder beteiligen sich an Pflege- und Re­pa­ra­tur­ar­bei­ten rund um unser Boots­haus und das Ver­eins­ge­län­de, an den Ver­eins­boo­ten und Transportanhängern.

Im Oktober eines Jahres planen wir bei einem Termin im Bootshaus gemeinsam mit allen Interessierten das Vereinsprogramm für das Winterhalbjahr und die kommende Saison. Ver­eins­mit­glie­der bieten Pro­gramm­punkte an und or­ga­ni­sie­ren sie. So kommt regelmäßig ein umfangreiches und vielfältiges Ver­eins­pro­gramm zusammen, das eine im Vorstand für den Sport verantwortliche Wanderwartin allein niemals anbieten könnte. Die Ar­beit ver­teilt sich auf vie­le Schul­tern. Die Pro­gramm­an­ge­bo­te werden zu Selbst­kos­ten or­ga­ni­siert und an­ge­bo­ten. Günstiger kann man kaum unterwegs sein.

Darüber hinaus bereiten wir in kleineren Organisationsteams Events wie unseren Itzehoer Drachenboot Indoor-Cup, den Glückstädter Drachenboot-Cup oder auch mal einen Tag der offenen Tür vor. An den Tagen der Veranstaltungen unterstützen uns zahlreiche Helfer/in­nen aus den Reihen unserer Vereinsmitglieder.

Ob Vorstand, Vereinsmitglied oder Freundinnen und Freunde unseres Vereins - viele en­ga­gie­ren sich. Die einen mehr, die anderen weniger.

Niemand in unserem Verein bekommt für sein Engagement ein Entgelt. Die einizige Aus­nahme ist, wenn wir Externe - wie Steuerleute für Drachenboote - zur Unterstützung be­nö­ti­gen.

Unser Verein ist eine So­li­dar­ge­mein­schaft rund um den Ka­nu­sport. Wir sind häufig ge­mei­nsam bei Ta­ges­ak­ti­vi­tä­ten, auf Wo­chen­end- und Ur­laubs­tou­ren unterwegs. Wenn wir die Organisation eines Pro­gramm­an­ge­bots übernehmen, tun wir dies für unsere Freundinnen und Freunde. Die Anerkennung bekommen wir von den Teilnehmer/innen.

Eine Vereinsmitgliedschaft bei den Itzehoer Wasser-Wanderern ist ein Nehmen und Geben. Man profitiert von dem Engagement Anderer und gibt dafür durch eigenes Engagement auch etwas an die Gemeinschaft zurück. Jedes Vereinsmitglied kann sich nach In­te­res­se und Talent einbringen. Jede/r kann als Helfer/in bei einem der Events dabei sein und zum Erfolg bei­tra­gen. Engagement in Form einer Zeitspende zahlt sich für unseren Verein aus.

Wer sich für den Kanusport interessiert ist herzlich willkommen, wird an die Hand ge­nom­men, lernt den Kanusport und uns kennen und - wenn es dann zu einer Ver­eins­mit­glied­schaft wird - wächst in unseren Verein und seine Kultur hinein und nimmt den Rhythmus auf.

Wer das nicht möchte, ist vielleicht in einem Sportstudio oder bei einem Ka­nu­ver­lei­her bes­ser auf­ge­ho­ben. Hingehen, Gebühren zahlen, Sport ausüben, fertig. Geld geben, Leis­tung in Anspruch nehmen, keine Ge­mein­schaft, keine Ver­pflich­tun­gen.

Wenn wir eine Aufgabe übernehmem fragen wir nicht zuerst:

"Was bekomme ich dafür?".

Das hat seit der Vereinsgründung im Jahre 1957 eine lange Tradition. Das Bootshaus wurde seinerzeit Abschnitt für Abschnitt in Eigenleistung der Vereinsmitglieder gebaut. Das kann man in der Geschichte der Gründerjahre nachlesen. Die ein­fa­che Bau­sub­stanz, die ge­wach­se­nen An­sprü­che an Aus­stat­tung einer Sport­stät­te und Raum für eine über die Jahre stark an­ge­wach­se­ne Mit­glie­der­zahl unseres aktiven Kanuvereins lässt uns über den Neubau ei­nes Boots­hauses nachdenken. Ein ehrgeiziges Projekt, das uns vor große Her­aus­for­de­run­gen stellt. Ein Bau in Ei­gen­leis­tung wie zu Grün­dungs­zei­ten ist aus­ge­schlos­sen.

Statt später auf dem Bau zu arbeiten, um mit Eigenleistung Baukosten zu sparen, können wir uns heute im Rahmen unserer sportlichen Aktivitäten engagieren, Zeit spenden, als Hel­fer/in bei den Events dabei sein und so dem Ansparplan für das notwendige Eigenkapital Rückenwind geben. Was aktuell die Eigenkapitalquote erhöht, könnte später als Son­der­til­gun­gen die Restschuld eines Darlehens reduzieren. Engagement für eine nach­hal­ti­ge Wei­ter­ent­wick­lung unseres Vereins.

Es sind viele kleine Beiträge Einzelner, die unseren Verein am Ende einen großen Schritt voranbringen. Das ist unsere Vereinskultur und wir waren und sind damit erfolgreich.

Ehrenamt oder Freiwilligentätigkeit
ist keine Arbeit die nicht bezahlt wird,
es ist Arbeit, die unbezahlbar ist.


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Itzehoer Wasser-Wanderer e.V.
www.itzehoer-wasser-wanderer.de


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